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Polen/Ukraine bekommt Zuschlag für EM 2012

Soccerway - 18 April 2007 11:47

Jubel in Polen und der Ukraine, Schock für Weltmeister Italien: Der neue UEFA-Präsident Michel Platini verkündete um 11.39 Uhr am Mittwochmittag im Rathaus von Cardiff die Vergabe der Europameisterschaft 2012 an Polen und die Ukraine, die sich mit ihrer gemeinsamen Bewerbung gegen die italienische sowie die gemeinsame Kandidatur von Kroatien/Ungarn durchsetzten.

Entscheidung im ersten Wahlgang

Bereits im ersten Wahlgang war die Entscheidung durch die zwölf stimmberechtigten Exekutivkomitee-Mitglieder, darunter UEFA-Vize Gerhard Mayer-Vorfelder, zugunsten der beiden osteuropäischen Länder gefallen. Für Polen/Ukraine votierten acht Exko-Mitglieder, für den zweimaligen EM-Gastgeber Italien nur vier. Auf Kroatien/Ungarn entfiel keine Stimme.

Letztmals hatte vor 31 Jahren in Jugoslawien (1976, Europameister Tschechoslowakei im Finale gegen Deutschland) eine EM-Endrunde in einem osteuropäischen Land stattgefunden. "Beide Verbände haben ihre Bewerbung mit viel Ideenreichtum und Engagement vorangetrieben. Ihr Optimismus hat sich nun bestätigt. Sicher werden vor allem die Italiener enttäuscht sein", kommentierte DFB-Präsident Theo Zwanziger die Entscheidung.

"Schwere Niederlage" für Italien

Italiens Sportministerin Giovanna Melandri brach bei der Bekanntgabe des Ergebnisses in Tränen aus. Es habe sich um eine "sportpolitische Entscheidung" gehandelt, "sie wollten die Endrunde für ehemalige Länder des Ostblocks öffnen. Wir müssen dies akzeptieren und nun versuchen, auf dem Spielfeld zu siegen".

Italiens Fußball-Ikone Dino Zoff meinte ebenfalls betroffen: "Das ist eine schwere Niederlage für uns." Der Manipulationsskandal aus dem vergangenen Jahr, die Gewaltexzesse und die ständigen Stadiondiskussionen erwiesen sich für den Stiefelstaat als zu große Hypothek. Die UEFA-"Regierung" verpasste Italien einen Denkzettel.

Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff, langjähriger Profi auf dem Apennin, sah allerdings einen anderen Ansatz: "Die UEFA-Entscheidung werte ich als Zeichen, dass die sportliche Infrastruktur in beiden Ländern gestärkt werden soll. Die Europameisterschaft 2012 wird den Menschen in Polen und der Ukraine sicherlich viel Freude bescheren."

Die beiden EM-Gastgeber - bereits 2000 (Belgien/Niederlande) und 2008 (Österreich/Schweiz) hat es zwei gemeinsame EM-Ausrichter gegeben - werden jeweils sechs Austragungsstädte für die EM-Endrunde stellen. In Polen sind dies: Danzig (Neubau/44.000), Posen (Städtisches Stadion/46.500), Warschau (Neubau/70.000), Breslau (Olympiastadion/45.000), Chorzow (Slaski/60.000), Krakau (Wisla/33.000). In der Ukraine: Kiew (Olympiastadion/75.000), Dnjepropetrowsk (Neubau/35.000), Donezk (Neubau/50.000), Lwiw (Ukraina oder Neubau/40.000), Odessa (Tschernomorets/35.000), Charkow (Metallist/30.000).

"Turnier wird ein Meilenstein sein"

"85 Millionen Menschen warten jetzt auf dieses Fußball-Großereignis. Dieses Turnier wird ein Meilenstein sein", verkündete der polnische Verbands-Präsident Michal Listkiewicz. Polens Nationaltrainer Leo Beenhakker drückte allerdings die Jubelstimmung mit mahnenden Worten in Richtung Politik. "Die Regierung muss damit anfangen, eine bessere Infrastruktur, bessere Stadien und Trainingsplätze zu schaffen", sagte der Niederländer.

Ukraines Staats-Chef Wiktor Juschtschenko stimmte hingegen in den Jubel-Chor ein: "Die EURO wird eine bemerkenswerte Möglichkeit für Ukrainer und Polen, die höchsten Repräsentanten der europäischen Fußball-Familie zu empfangen." Verbandschef Grigoriy Surkis meinte: "Wir werden in den nächsten Jahren mit ganzem Herzen die Herausforderung bewältigen. Wir werden das Vertrauen, das in uns gesetzt wird, rechtfertigen. Das ist eine große Chance und eine große Herausforderung für uns."

Die Endrunde in fünf Jahren wird wie seit 1996 mit 16 Mannschaften ausgetragen. Diese Entscheidung hatte das Exekutivkomitee am Dienstag beschlossen, nachdem es zunächst Anträge für eine Aufstockung auf 24 Teams schon für die EURO 2012 gegeben hatte. Somit kann es frühestens 2016 zu einer Erhöhung der Teilnehmerzahlen bei einer EURO kommen.

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